Wie kann ich meinen Mundschutz desinfizieren?

Helmut hat per Mail gefragt: „Liebe Busters! Wahrscheinlich eine Frage die schon oft gestellt und ebenso oft für hirnrissig gehalten wurde. Aber wäre es nicht möglich eine Maske nach dem Einkaufen mit der Mikro zu desinfizieren, eventuell noch etwas anfeuchten?“

Die Frage der Wiederverwendbarkeit von Einwegschutzmasken und insbesondere der Desinfektion bei Mehrfachgebrauch wird tatsächlich sehr häufig gestellt. Und ist keineswegs hirnrissig, sondern vielmehr naheliegend. Im medizinischen Umfeld wird normalerweise mit Einwegschutzmasken der Schutzkategorie FFP2 und FFP3 gearbeitet. Dabei steht das Kürzel FFP für „face filtering piece“ und bezeichnet partikelfilternde Halbmasken (Halbmasken deshalb, weil nur Nase und Mund, nicht aber das gesamte Gesicht geschützt werden) und Feinstaubmasken, die lungengängige Aerosole, Rauch und Stäube, nicht aber Dämpfe und Gase abhält. Die Schutzklassen FFP1, FFP2 und FFP3 beziehen sich auf die Leckage und die Filterwirkung der Maske. Die Leckage bezeichnet die Undichtigkeit der Maske aufgrund nicht perfekter Passform am Gesicht und der Durchlässigkeit der Maske. Die Durchlässigkeit gibt an, wie groß der Anteil an aus der Atemluft herausgefilterten Partikel bis zu einer Kleinheit von 0,6 µm (ein Mikrometer [1µm] ist ein tausendstel Millimeter) ist. Eine FFP1 Maske (siehe Bild oben) filtert 80% der Partikel aus der Atemluft heraus bei einer maximalen Gesamtleckage von 25%, eine FFP2 Maske schafft schon 94% der Partikel bei einer Gesamtleckage von 11% und eine FFP3 Maske hält 99% der Partikel zurück bei einer Gesamtleckage von maximal 5%. Diese Grenzwerte sind in einer europaweit gültigen Norm EN149 festgelegt. Bevor wir zum Aufbau solcher Masken kommen und wie diese eventuell zu desinfizieren wären, wollen wir noch kurz betrachten, wie man sich und andere abseits der professionellen Halbmasken noch schützen kann, indem man entweder einen Nase-Mundschutz oder einen Schal oder ein Halstuch verwendet.

Jeder, der schon mal durch einen Schal oder ein angelegtes Halstuch durchgeatmet hat, wird den erhöhten Luftwiderstand gespürt haben, was bei längerem Tragen und gleichzeitiger körperlicher Betätigung aufgrund des nun erhöhten Atemwiderstandes zu Kurzatmigkeit und mangelndem Luftaustausch beim Ein- und Ausatmen führt. Dazu kommt, dass die feuchte Atemluft bei kühleren Außentemperaturen relativ rasch zu einer Befeuchtung des Mundschutzes oder der Maske führt. Je feuchter der Nase-Mundschutz oder die Maske, desto geringer die Filterwirkung, weil die feinen Fasern des Materials zusammenzukleben beginnen und so aus einem feinmaschigen Gewebe ein grobmaschigeres Gewebe wird. Das ist einer der Hauptgründe, weshalb man Nase-Mundschutz oder Halbmasken nicht zu lange am Stück verwenden soll. Und damit wird aufgrund der keineswegs unbegrenzten Verfügbarkeit das Thema einer Wiederverwendbarkeit nach einer Desinfektion schlagend.

Mikrowelle, Waschmaschine, Dampfgarer, Tiefkühltruhe?

Einfache Hilfsmittel wie Schal oder Halstuch kann man natürlich in der Waschmaschine bei mindestens 60°C waschen, um jede Kontamination durch Viren zu eliminieren. Besser wäre Kochwäsche bei 90°C. Da die Virushülle aus Eiweißen besteht, können diese durch Hitze denaturiert werden (ähnlich wie das Stocken von Eiweiß beim Kochen von Eiern). Zusätzlich zerlegen und lösen die waschaktiven Substanzen Eiweiß auf, womit Viren in einer heißen Waschlauge keine Chance haben. Die einfachen Nase-Mundschutz-Masken, wie sie nun häufig getragen werden, bestehen entweder aus einem feinen Zellstoffgewebe oder sind Eigenfabrikate aus diversen Stoffen. Wenn dabei keine hochtemperatursensiblen Gummizüge zur Befestigung verwendet werden, ist auch diese Art von Masken problemlos in der Waschmaschine waschbar und wiederverwendbar.
Wegen zweidrei Masken einen Kochwaschgang zu absolvieren ist allerdings nicht sehr nachhaltig. Alternativ ist daher auch ein „Auskochen“ einzelner Masken im Kochtopf möglich. Unter Zugabe von Seife.

Was die Reinigung betrifft, so sind professionelle FFP1, FFP2 und FFP3 Masken empfindlicher. Sie sind aus mehreren Lagen eher grobmaschiger Zellstoffgewebe hergestellt, die grundsätzlich eigentlich aufgrund der größeren Porosität weniger Atemluftwiderstand bieten (also auch bei körperlicher Belastung die Kurzatmigkeit verhindern sollen). Damit sie trotzdem die hohe Partikelfilterwirkung entwickeln, verwendet man Elektrostatik. Wer schon einmal einen aufgeblasenen Luftballon an seinen Haaren gerieben hat, kennt diesen Effekt. Durch Reibung können sich Materialien wie Kunstfasern elektrostatisch aufladen und ziehen damit feinere Partikel an, so wie ein elektrostatisch aufgeladener Plastiklöffel fein geriebenen Pfeffer anzieht:

So gelingt es, auch feinere Partikel zurückzuhalten, die durch die Porengröße des Gewebes rein mechanisch nicht aufgehalten würden. Und geringen Atemluftwiderstand mit hoher Rückhaltewirkung für Feinstaub und kleinste Partikel wie Viren zu kombinieren. Damit die Fähigkeit sich durch Reibung elektrostatisch aufzuladen erhalten bleibt, muss das Gewebe allerdings relativ trocken bleiben. In einer feuchten FFP-Maske bricht dieser Mechanismus der elektrostatischen Partikelanziehung zusammen und die grobe Porosität lässt Viren ungehindert durch. Deshalb müssen die Masken regelmäßig gewechselt werden.

Wie desinfiziert man FFP-Masken?

Eine Vollwäsche dieser FFP-Masken in einer Waschmaschine mit Waschlauge bei 90 °C würde die Gewebestruktur der mehrlagigen FFP-Masken irreparabel zerstören.
Aber kann die Mikrowelle helfen? Leider nein. Denn Mikrowellenstrahlung liegt von der Energie her unterhalb der Wärmestrahlung (Infrarotstrahlung). Wer in einem Mikrowellenherd sein Essen wärmen will, erwärmt eigentlich nur das Wasser im Essen. Und damit indirekt den Rest. Je trockener eine Speise, desto länger dauert das Aufwärmen im Mikrowellenofen. Bei einer gebrauchten FFP-Maske würden im Mikrowellenofen bestenfalls Spuren von Feuchtigkeit die Mikrowellenstrahlung aufnehmen und warm werden, was aber nie zur flächigen Durchhitzung der gesamten Maske reichen würde.

Eine perfekt dosierte Befeuchtung der FFP-Maske, die dann im Mikrowellenofen heiß genug wird, um die gesamte Maske durch Verdampfung zu sterilisieren, ist für den Laien eigentlich nicht zu schaffen. Daher werden im professionellen Umfeld von Krankenhäusern und in biochemischen bzw. medizinischen Laboratorien ausschließlich Heißdampfsterilisatoren verwendet, da hier eine perfekte Dosierung aus Hitze bei größtmöglicher Materialschonung und Verhinderung einer Durchnässung eine Wiederverwendbarkeit garantiert.
Wer einen Dampfgarer zu Hause hat, kann solche Masken eventuell auch damit desinfizieren. Die meisten Geräte schaffen tatsächlich 100°C, das genügt zur Bekämpfung etwaiger Viren. Vielleicht aber nicht gleichzeitig das Abendessen zubereiten.

Freeze?

Kältedesinfektion, also Einfrieren in der Tiefkühltruhe oder dem Gefrierschrank, ist leider gar nicht geeignet, um Viren unschädlich zu machen. Im Gegenteil. Viren können viele Jahre in flüssigem Stickstoff bei rund -196 °C unbeschadet „überdauern. Weshalb man etwa in der Forschung Kälte vielmehr verwendet, um Viren lange haltbar zu machen.
Wer sich also nicht unbedingt ein paar Viren für nach der Krise als Souvenir aufbehalten möchte, sollte auf die Desinfektionsmaßnahmen durch Hitze zurückgreifen.

Masken aus Stoff

Um die selbstgenähten Masken aus Stoff zu desinfizieren braucht es ausreichend lange ausreichend viel Wärme. Das geht in Backofen, Waschmaschine und Kochtopf. Die teilweise langen Zeiten kommen daher, dass man ja etwa das Backrohr entweder vorheizen muss oder die Maske ins kalte Rohr legt und dann dauert es eben länger, bis es heiß genug ist. Bügeleisen haben eine zu kurze Kontakzeit um die Viren ausreichend lange einer ausreichend hohen Temperatur auszusetzen. Auch die Maske einfach herumliegen lassen abwarten ist nicht so einfach. In der Sonne kann man sie durchaus trocknen lassen – die UV-Strahlung hilft hier zusätzlich bei der Desinfektion. Aber die Maske muss ausreichend lange in der Sonne liegen; mindestens 24 Stunden lang. In Inneneräumen braucht es ebenfalls einen trockenen, sonnigen und gut durchlüfteten Raum. Und ausreichend viel Zeit. Besser ist es, einfach ein paar Masken zum Wechseln zu haben und ab und zu alles gut in der Waschmaschine zu waschen.

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